Verbote oder Leitlinien? Zweiteres ist besser.
Smart Glasses werden zunehmend alltagstauglich. Sie kombinieren Funktionen wie Audio, Kameras, Sensoren und Künstliche Intelligenz und könnten sich zu einer neuen Mensch-Computer-Schnittstelle entwickeln. Künftige Generationen werden voraussichtlich noch stärker mit Augmented Reality arbeiten und digitale Informationen unmittelbar in unsere Umgebung integrieren. Immer und überall.
Mit dieser Entwicklung entstehen neue Möglichkeiten. Aber auch berechtigte Fragen. Gemeinsam mit Professoren verschiedener Hochschulen und XR-Fachverbänden aus ganz Deutschland habe ich deshalb die Guidelines „Smart Glasses im Alltag – Leitlinien für einen souveränen Umgang“ entwickelt.
Unser Ansatz ist bewusst chancenorientiert, aber nicht unkritisch. Smart Glasses sollten weder als technologische Heilsbringer gefeiert noch ausschließlich aus einer Risikoperspektive betrachtet werden. Entscheidend ist: Konkrete Anwendungen, Situationen und Verhaltensweisen müssen wir differenziert beurteilen.
Ein zentraler Gedanke der Guidelines lautet deshalb: Technologie kennenlernen und ausprobieren. Viele Funktionen lassen sich erst dann sinnvoll einordnen, wenn man sie selbst erlebt hat. Navigation, Echtzeitübersetzung, KI-Assistenz oder Anwendungen für Barrierefreiheit wirken in der praktischen Nutzung häufig anders als in abstrakten Debatten. Ausprobieren bedeutet dabei ausdrücklich nicht, Technologie unkritisch zu übernehmen. Es bedeutet, sich auf Basis eigener Erfahrung ein fundierteres Urteil bilden zu können.
Genauso wichtig ist Verantwortung. Persönlichkeitsrechte, vertrauliche Situationen und die Grenzen anderer Menschen müssen respektiert werden. Viele Regeln sind dabei keineswegs neu: Was mit einem Smartphone nicht angemessen oder erlaubt wäre, wird durch eine Brille nicht plötzlich akzeptabel.
Die veröffentlichten Guidelines sind deshalb bewusst als Version 1 angelegt. Sie sollen mit der Technologie, neuen Anwendungen und unseren gesellschaftlichen Erfahrungen weiterentwickelt werden.
DOWNLOAD (Stand: 26.08.2026, Nachmittag)
TRAGEN. SEHEN. MITGESTALTEN.
Beteiligte Fachverbände und Initiativen:
Extended Reality Bavaria e.V. (XRB) · Erster Deutscher Fachverband für Virtual Reality e.V. (EDFVR) · Virtual Dimension Center (VDC) · nextReality.Hamburg e.V. · Extended Reality Berlin-Brandenburg e.V. (XRBB) · XR HUB Nürnberg
Mitwirkende aus der Wissenschaft:
Universität der Bundeswehr München – Prof. Dr. Philipp A. Rauschnabel · Technische Hochschule Deggendorf – Prof. Dr. Patrick Glauner · Hochschule Offenburg – Prof. Dr. Christopher Zerres · Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm – Prof. Markus Kaiser · Fachhochschule Erfurt – Prof. Rolf Kruse · Fraunhofer FIT – Dr. Leif Oppermann · Universität Hamburg – Prof. Dr. Frank Steinicke
